Ideen & Konzepte | 08.09.2026

Wir kochen Heimat

Polpette (Nina Serra, Sardinien) / Foto: Nobelhart & Schmutzig

Seit Januar 2026 steht im Berliner Speiselokal Nobelhart & Schmutzig – ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern und Platz 59 der „The World's 50 Best Restaurants“ – etwa alle zwei Monate ein Gericht auf der Karte, das kein Mitarbeiter des Hauses entwickelt hat. Es basiert auf der Kindheitserinnerung eines Berliner Gastes: Wirt Billy Wagner und Küchenchef Micha Schäfer erzählen mit der Serie von den Menschen, die diese Stadt ausmachen.

Jedes Gericht beginnt mit derselben Frage: „Was fällt dir als Erstes ein, wenn du an deine Kindheit denkst?“ Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Erinnerungen selbst – das Sonntagsgericht der Eltern, das Essen nach der Heimkehr, oder etwas ganz Alltägliches. Verbunden sind sie durch die Emotion, die daran hängt. Nach Kohlroulade, Hühnerfrikassee, Beuscher und Ghormeh Sabzi folgt seit dem 11. August 2026 die fünfte Folge: Polpette, Fleischbällchen in Tomatensoße nach dem Rezept der Mutter von Nina Serra.

Polpette (Nina Serra, Sardinien)

Nina Serra kam 2005 zu Besuch nach Berlin und blieb. Heute arbeitet sie als Erzieherin und ist mit Billy Wagner befreundet. Mit Sardinien verbindet sie wenig – geblieben ist der Topf Polpette, der bei den Eltern auf sie wartet. Darin liegt für sie die Verbindung zur Herkunft.

Das Rezept ihrer Mutter ist einfach, denn für aufwendige Vorbereitung blieb im Alltag keine Zeit. Nina Serra fragte sich deshalb selbst, ob Hackbällchen in Tomatensoße überhaupt in eine Sterneküche gehören. Im Nobelhart & Schmutzig lautet die Antwort: gerade deshalb. Ohne technische Komplexität muss jede Zutat für sich sprechen. Das Kalbfleisch stammt vom Erdhof Seewalde, die Tomaten werden sorgfältig ausgewählt, dazu gibt es geröstetes Sauerteigbrot von Sironi, das an das sardische Civraxiu erinnert.

Serviert wird Heimat #5 bis Ende September 2026, dienstags bis donnerstags von 18 bis 20:15 Uhr sowie ab 21 Uhr. Ein Teller Polpette mit Sauerteigbrot kostet 39 Euro pro Person, inklusive Nachschlag, Wegzehrung und Brita Tafelwasser. Weitere Gänge lassen sich hinzubestellen; eine vegetarische Variante gibt es nicht.

Der Weg auf die Karte führt durch fremde Küchen

Wer bei der Serie mitmacht, lädt Micha Schäfer zu sich nach Hause ein und kocht dort das eigene Gericht. Schäfer isst mit, fragt nach und speichert den Geschmack ab. Zurück in der Friedrichstraße kocht er es mit seinem Team nach – unverändert, ohne Verfeinerung oder Handschrift der Sterneküche. Erst wenn die Gastgeber das Ergebnis probiert und für stimmig befunden haben, kommt das Gericht auf die Karte.

So geht es weiter

Ab Oktober folgt Soto Banjar, eine Hühnersuppe mit Ei, Kartoffelpuffer und Limettenblättern aus der Region Banjarmasin (Süd-Kalimantan), eingebracht von Stefanie Djie, die in New York die Naturweinbar Skin Contact betreibt, aber in Berlin lebt. Zum Jahreswechsel kehrt die Serie mit Albaloo Polo – Safranreis mit Sauerkirschen und Ente – an die persische Tafel zurück, gebracht von Behruz Foroutan. Im Spätwinter folgt mit Bigos das polnische Nationalgericht, ein Sauerkrauteintopf mit Wild und Schwein, eingebracht von Alina und Friederike Gaedke; Letztere leitet Die Gemeinschaft, ein 2017 unter anderem vom Nobelhart & Schmutzig initiiertes Netzwerk handwerklich arbeitender Produzenten und Gastronomen.

Da die Geschichten erst am jeweiligen Küchentisch entstehen, sind die genannten Zeiträume als Orientierung zu verstehen. Ein Ende der Serie ist nicht vorgesehen.

https://nobelhartundschmutzig.com/heimat


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