Es waren besondere Gastro Sessions, zu denen sich die Leaders Club-Familie in München versammelte: Die zweitägige Veranstaltung integrierte diesmal den „International Exchange“ des Leaders Clubs International, sodass auch Speakern und Teilnehmern aus der Schweiz, Frankreich und Belgien in den Hofbräukeller der Gastgeberin und Vorstandsvorsitzenden Silja Steinberg gekommen waren.
Um gemeinsam herauszufinden, worauf es in diesen Tagen für die Branche wirklich ankommt, hörten sie spannende Keynotes, inspirierende Impulse und lehrreiche Erfahrungsberichte von Gastronomen, Unternehmern, Branchenexperten sowie Kommunikationsexperten. Sogar Deutschlands ersten „Happyologen” hatte der Leaders Club Deutschland als Veranstalter eingeladen, sodass am Ende die Botschaft stand: Nur glückliche Gastgeber haben glückliche Gäste, also lasst uns die Herausforderungen meistern, indem wir voneinander lernen!
„Das größte Glück ist oft im Unglück versteckt. Aber da suchen es die wenigsten”, appellierte Glücksexperte und Kommunikationstrainer Patrik Wenke an die rund 200 Teilnehmer, Schwierigkeiten als Chancen zu begreifen und Fehler als Helfer. Der Weg zum Glück liege in jedem Menschen selbst: „Um glückliche Gäste und Mitarbeiter zu haben, muss man zunächst persönlich glücklich sein. Dazu gilt es, individuell definierte Glücksmomente zu sammeln, mutig zu handeln und sich darüber klarzuwerden, was wirklich zählt.” Damit knüpfte Wenke direkt an das Motto der Gastro Sessions an, die in diesem Jahr unter der Überschrift „Hospitality – What Really Matters” standen.
Antworten zum Weiterdenken
Denn was zählt heute wirklich angesichts von Kostensteigerungen, Bürokratie, demografischem Wandel und natürlich des Siegeszugs der KI? Befragt von Leaders Club-Vorstand und Moderator Johannes Roiner fanden die gut zwei Dutzend Referenten darauf bemerkenswerte Antworten, die Leidenschaft, Wertschätzung, aber auch die notwendige Wirtschaftlichkeit von Gastronomie ins Zentrum rückten:
Dr. Thomas Geppert, DEHOGA Bayern: „Jede Investition in die Gastronomie ist ein regionales Konjunkturprogramm: Denn bei der reduzierten Mehrwertsteuer geht es nicht um den Schnitzelpreis, sondern um die Zukunftsfähigkeit der Branche.”
Lena Battegay, Tenz Momo, Schweiz: „Die Menschen konsumieren nicht nur unser Produkt. Sie (er-)leben die Marke. Tenz wird geschaffen durch die Community und größer durch unsere einzigartige Kultur.”
Steven Rosseel, SD Worx, Belgien: „KI ist ein Werkzeug und wird die Strukturen nicht ersetzen. Niemand möchte sich mit einem Roboter unterhalten. Stattdessen führen menschenzentrierte Führung, strukturiertes Handeln und smarte Daten zum Erfolg.”
Jonathan Jablonski, Präsident Leaders Club Frankreich, Factory & Co. : „Wenn du ein Imperium erschaffen willst, errichte zuerst ein Ökosystem, in dem es wachsen kann.”
Michael Kuriat, TNC Group: „Die Digitalisierung befindet sich im Sprint-Modus. Der Fortschritt der letzten zwölf Monate ist größer als der in den vergangenen zehn Jahren. Wer KI heute nicht versteht, wird in drei Jahren kaum noch aufholen können.”
Christian Nehammer, FPX Vienna, Christian Vogler, Augustiner-Keller: „In der Gastronomie wie im Sport beginnt Höchstleistung lange vor dem Erfolg. Sichtbar ist nur die Spitze des Eisbergs. Disziplin, Rückschläge und die harte Arbeit sind hingegen unsichtbar. Doch Glück und Talent haben weniger Einfluss auf den Erfolg als Fleiß und Durchhaltewillen.”
Phil Kuriat, Leaders Club Young Generation: „Die Gen Z arbeitet um zu leben, nicht umgekehrt. Wir wünschen uns Sinnhaftigkeit, Wertschätzung und Sicherheit, wollen Spaß bei der Arbeit, geregelte Arbeitszeiten bei gleichzeitiger Flexibilität. Klassische Stellenanzeigen erreichen uns nicht, sprecht und da an, wo wir sind: auf Social Media, aber bitte humorvoll. Redet mit uns, gebt uns Chancen, setzt uns Grenzen – und begeistert uns für die Gastro-Branche!”
Susan Schramm, Motel One: „Wiederholung ist eine unterschätzte Fähigkeit des Marketings: Sie baut langfristig Vertrauen auf und weckt Begehrlichkeit. Marken werden nicht geliebt, weil sie neu sind. Sie werden geliebt, weil sie verlässlich sind. Und sie entstehen nicht in der Marketing-Abteilung, sondern im Erlebnis.”
Esin Rager, samowa: „Wachsen kann man nicht mit Followern, sondern nur mit Fans, Supportern, Suppliern und dem Team.”
Linda Lorenzoni, Gastro Exclusive: „Die junge Generation ist die ehrlichste Unternehmensberatung. Kultur entsteht nicht bei der Weihnachtsfeier, beim Sommerfest oder am Obstkorb. Unternehmenskultur entsteht jeden Dienstag beim Meeting. Forget Generations. Build Culture.”
Rasmus Stjernholm, Gastromotion: „Gute Gastronomie erkennt man nicht daran, wie wenig sie ihren Mitarbeitern bezahlen kann. Sondern daran, wie gut sie ihre Mitarbeiter bezahlen kann.”
Nicole Marsmann, Future Service Sells: „Die Liebe unserer Mitarbeiter bekommen wir, wenn sie merken, dass sie durch uns stärker werden.”
Lina Koch, Chefs Warehouse Hamburg: „Die erfolgreichsten Betriebe der Zukunft werden nicht diejenigen sein, die am meisten verkaufen, sondern diejenigen, die am meisten bedeuten. Magie entsteht dort, wo Architektur, Musik und Licht, Kulinarik und Menschen dieselbe Geschichte erzählen.”
Nach zwei intensiven Sessions-Tagen, abgerundet durch eine abendliche Netzwerkveranstaltung in lockerer Atmosphäre in der Kneipe 80 im Glockenbachviertel, legte sich das abschließende Panel mit Lina Koch, Linda Lorenzoni und Susan Schramm auf drei Schlagworte fest, auf die es in der Hospitality-Gegenwart und -Zukunft tatsächlich ganz besonders ankommt: Emotion, Menschlichkeit und Tatkraft („Just do it”) – ein inspirierendes Fazit, das die Teilnehmer gerne mit in ihre Betriebe nahmen.
Besonders beeindruckend fanden viele darüber hinaus die starke Präsenz der Young Generation sowohl auf der Bühne als auch im Publikum. Leaders Club-Präsident Marc Uebelherr hob dementsprechend bei der Verabschiedung die große Bedeutung von generationenverbindenden Netzwerken hervor: „Das war ein phänomenaler Austausch auf hohem Niveau und Augenhöhe, der für den Leaders Club und die gesamte Branche unglaublich wertvoll ist.” Oder wie Tochter Julie Uebelherr, 20, es formuliert: „Die Gen Z ist eine Chance für die Gastronomie. Die Zusammenarbeit mit Elterngeneration ist vielleicht nicht immer einfach, aber wir können viel voneinander lernen.”
