Verbände Aktuell | 29.04.2026

Keine Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung

Motivbild: www.pexels.com

Ein breites Bündnis führender Verbände aus Industrie, Handwerk, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung hat sich mit einem Positionspapier zur geplanten Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes an politische Entscheidungsträger in Bund und Ländern gewandt. Darin lehnen die Verbände eine verpflichtende Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung sowie auf verarbeitete tierische Lebensmittel entschieden ab.

Die neuen Kennzeichnungspflichten würden die Unternehmen mit erheblichen zusätzlichen Kosten und bürokratischem Aufwand belasten, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden müssten. Besonders betroffen wären Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung in Schulen, Kitas, Mensen oder Kliniken. Die höheren Preise träfen so vor allem Familien und Senioren. Das Informationsbedürfnis von Verbrauchern nach Tierhaltungsformen ist beim Verzehr außer Haus zudem sehr gering ausgeprägt, für die Gäste stehen vor allem Preis und Geschmack der Speisen im Mittelpunkt.

Unternehmen droht neue Bürokratiewelle

Das Verbändebündnis unterstützt ausdrücklich bessere Tierwohlstandards und eine starke heimische Landwirtschaft. Viele Unternehmen engagieren sich seit Jahren mit eigenen Programmen und in bestehenden Brancheninitiativen beim Aufbau höherer Tierhaltungsformen. Aber: die neue Kennzeichnungspflicht in Deutschland schafft nicht mehr Tierwohl, sondern sorgt vor allem für mehr Bürokratie.

Um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, wäre der Aufbau neuer IT-Systeme bei Herstellern, Händlern und Gastronomen erforderlich, eine lückenlose Chargenrückverfolgung getrennt nach Tierhaltungsformen müsste eingerichtet werden. Dies würde auch eine getrennte physische Lagerung sowie laufende Anpassungen von Speisekarten, Apps und Bestellsystemen mit umfangreichen Dokumentationspflichten erfordern. In den Betrieben würde dies dauerhaft Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe auslösen, insbesondere kleine und mittelständische Betriebe könnten diese zusätzlichen Belastungen in der bereits jetzt stark angespannten wirtschaftlichen Lage kaum stemmen. Aus Sicht des Bündnisses steht die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung daher im klaren Widerspruch zu den politischen Zusagen, den Bürokratieaufwand für die Unternehmen abzubauen.

Fehlanreize beim Tierwohl befürchtet

Doch es kommt schlimmer. Statt höhere Tierhaltungsformen zu stärken, könnte die Reform nach Auffassung des Verbändebündnisses sogar gegenteilige Effekte auslösen. Wenn Rohwaren, Logistik und betriebliche Prozesse teurer werden, könnten Betriebe aus wirtschaftlichem Druck verstärkt auf günstigere Produkte niedrigerer Haltungsformen ausweichen. Die Ausweitung der Kennzeichnungspflicht würde somit das Gegenteil des Gewollten bewirken und freiwillige Fortschritte beim Tierwohl ausbremsen.

Appell an Politik

Das Verbändebündnis appelliert an die Entscheidungsträger jetzt schnell zu handeln, die Ausweitung der verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung sowie auf verarbeitete tierische Lebensmittel nicht weiterzuverfolgen und aus dem Gesetzentwurf zu streichen. Statt neuer Bürokratie sollten im Dialog mit allen Beteiligten in den Wertschöpfungsketten der Gastronomie praxistaugliche Lösungen und gezielte Anreize für mehr Tierwohl im Dialog erarbeitet werden.

www.dehoga.de


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