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Management & Strategien | 30.04.2020

Fünf Fragen, fünf Antworten

Fotostrecke Restaurant Tisch Gläser Leere Tische: Zurzeit erlebt die Gastronomie in Deutschland einen nie dagewesenen Shutdown / Motivbild: www.pexels.com

Gastrofix by Lightspeed hat mit einigen seiner Kunden Telefoninterviews durchgeführt. Das Unternehmen wollte wissen, wie es Gastronomen in der aktuellen Lage ergeht, ob sie mit den politischen Entwicklungen zufrieden sind und wie sie sich für die Zeit nach Corona wappnen. Wir bilden zwei dieser Stimmen aus der Branche ab.


Artin Martinian

Geschäftsführer Restaurant Esszimmer 5630 in Remscheid, www.esszimmer5630.de

Herr Martinian, wie hat sich die Coronakrise auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Verheerend. Wir verzeichnen aktuell 70 bis 80 Prozent weniger Einnahmen. Einziger Rettungsanker ist derzeit noch unser eilig aufgesetzter Liefer- und Abholservice, der immerhin erfreulich gut funktioniert.

Reicht das Geschäft mit Liefer- und Abholservice aus, um Ihren Betrieb weiterzuführen?

Nein, sicher nicht. Unser Geschäft ist wie bei wahrscheinlich allen Gastronomen buchstäblich eingebrochen. Das kann ein Lieferservice nicht annähernd auffangen.

Welche Gegenmaßnahmen haben Sie sonst noch ergriffen?

Wir haben im engen Austausch mit unserem Steuerberater Fördergelder sowie eine Stundung der Umsatzsteuer beantragt. Wir stehen außerdem in Kontakt mit unserem Vermieter, kaufen Strom nach tatsächlich verbrauchten Kilowattstunden ein und schauen auch sonst überall auf die Kosten. Einigen Mitarbeitenden mussten wir leider kündigen, für andere haben wir Kurzarbeit angemeldet. Zudem promoten wir den Liefer- und Abholservice gerade massiv, damit wenigstens diese Einnahmen erhalten bleiben. Und auch Gastrofix by Lightspeed konnte uns mit seinem kostenlosen Digitalpaket kurzfristig weiterhelfen.

Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten?

Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, maximal drei Monate.

Sind Sie als Gastronom mit dem aktuellen Corona-Kurs der Bundesregierung zufrieden?

Die bisher realisierten Lösungen für unsere Branche sind in meinen Augen ein Schlag ins Gesicht. Die Lockerung der Kontaktbeschränkung hätte unbedingt auch für die Gastronomie jetzt kommen müssen. Es muss eine Eröffnung her, denn jeder neue Tag stürzt uns weiter in die Krise. Das Hauptproblem ist doch, dass wir keinen Nachholeffekt haben: Den Umsatz, den wir heute nicht machen, können wir auch nicht mehr aufholen.


Andreas Lübcke

Geschäftsführer Old MacDonald in Hamburg, www.oldmacdonald.de

Herr Lübcke, was denken Sie über den aktuellen Corona-Kurs der Bundesregierung?

Da bin ich zwiegespalten, fühle mich manchmal wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Auf der einen Seite verstehe ich als Privatperson natürlich, dass der Staat die Gesundheit seiner Bürger an erster Stelle sieht. Die Zahlen geben der Bundesregierung und ihrem bisherigen Kurs ja auch Recht und ich bin heilfroh, mit meiner Familie in diesen Zeiten in Deutschland zu leben. Auf der anderen Seite bin ich Geschäftsmann und trage die Verantwortung für meine Mitarbeiter und unseren gemeinsamen Arbeitsplatz. Von dieser Warte aus sieht die Situation schon anders aus.

Was kritisieren Sie konkret?

Bei allem Verständnis für die Gesamtsituation: Für uns Gastronomen muss es jetzt praktikable Lösungen und Hilfen geben. Und ich spreche hier nicht nur von Steuererleichterungen oder Krediten. Es ist doch illusorisch zu glauben, dass wir in unserem Metier so viel Geld verdienen beziehungsweise vor Corona verdient haben, dass wir nach der Krise mal eben Kredite zurückzahlen könnten, welche die Kosten von mehreren Monaten decken würden. Von welchen Umsätzen sollen die Kredite denn getilgt werden? Die angezogene Handbremse aufgrund von Corona wird unser Geschäft jedenfalls noch lange Zeit beeinträchtigen, da sind Kredite der völlig falsche Ansatz.

Welche Hilfen müssten für Gastronomen jetzt dringend aufgesetzt werden?

Der Staat muss Mieten und Personalkosten übernehmen. Ich muss fürs Old MacDonald und die Better Burger Company jeden Monat einen hohen vierstelligen Betrag an Miete zahlen. Die stunden mir meine Vermieter zwar freundlicherweise gerade, trotzdem muss ich sie ihnen irgendwann zurückzahlen. Woher soll ich das Geld nehmen, wenn ich keinen Umsatz machen darf? Das Gleiche gilt für die Personalkosten: Die meisten Mitarbeitenden sind leider Geringverdiener und leben von Zuschlägen, Trinkgeldern usw. Da diese jedoch gerade wegfallen, ist das für sie eine Katastrophe. Hier muss der Staat jetzt deutlich mehr als die veranschlagten 60 Prozent Kurzarbeitergeld zahlen. Es ist doch so: Wenn wir uns als wichtiger Wirtschaftsteil mit 2,4 Millionen Beschäftigten zum Wohle der Gesellschaft zurückhalten, muss die Gesellschaft diesen Wirtschaftsteil im Gegenzug auch unterstützen.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass andere Branchen gerade langsam wieder hochgefahren werden, während das Gastgewerbe immer noch darnieder liegt?

Ganz klar damit, dass das Gastgewerbe immer schon schlechter behandelt wurde als andere Branchen. Viele denken auch heute noch, ach, das sind doch alles Geldwäscher. Hinzu kommt, dass wir bei weitem nicht so eine starke Lobby haben wie andere Wirtschaftsbereiche. Unsere Verbände haben einfach zu wenig Gewicht, um echten Druck auf die politischen Entscheidungsträger aufbauen zu können. Wären wir Banken, würden ganz andere Hilfsprogramme für uns aufgesetzt.

Über was haben Sie sich in den vergangenen Wochen besonders geärgert?

Mir stößt sauer auf, wie sich jetzt einige Versicherungen vor ihrer Verantwortung drücken wollen. Selbst Betriebe, die sich ausdrücklich gegen zum Beispiel behördlich angeordnete Betriebsschließungen versichert haben, werden unter fadenscheinigen Gründen im Regen stehen gelassen und mit lächerlichen Kulanzangeboten abgefunden. Bei diesem Verhalten der Versicherungswirtschaft stellen sich mir die Nackenhaare auf!


www.gastrofix.com


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Management & Strategien Fünf Fragen, fünf Antworten Gastrofix by Lightspeed hat mit einigen seiner Kunden Telefoninterviews durchgeführt. Das Unternehmen wollte wissen, wie es Gastronomen in der aktuellen Lage ergeht, ob sie mit den politischen Entwicklungen zufrieden sind und wie sie sich für die Zeit nach Corona wappnen. Wir bilden zwei dieser Stimmen aus der Branche ab.Artin MartinianGeschäftsführer Restaurant Esszimmer 5630 in Remscheid, www.esszimmer5630.deHerr Martinian, wie hat sich die Coronakrise auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Verheerend. Wir verzeichnen aktuell 70 bis 80 Prozent weniger Einnahmen. Einziger Rettungsanker ist derzeit noch unser eilig aufgesetzter Liefer- und Abholservice, der immerhin erfreulich gut funktioniert.Reicht das Geschäft mit Liefer- und Abholservice aus, um Ihren Betrieb weiterzuführen?Nein, sicher nicht. Unser Geschäft ist wie bei wahrscheinlich allen Gastronomen buchstäblich eingebrochen. Das kann ein Lieferservice nicht annähernd auffangen.Welche Gegenmaßnahmen haben Sie sonst noch ergriffen?Wir haben im engen Austausch mit unserem Steuerberater Fördergelder sowie eine Stundung der Umsatzsteuer beantragt. Wir stehen außerdem in Kontakt mit unserem Vermieter, kaufen Strom nach tatsächlich verbrauchten Kilowattstunden ein und schauen auch sonst überall auf die Kosten. Einigen Mitarbeitenden mussten wir leider kündigen, für andere haben wir Kurzarbeit angemeldet. Zudem promoten wir den Liefer- und Abholservice gerade massiv, damit wenigstens diese Einnahmen erhalten bleiben. Und auch Gastrofix by Lightspeed konnte uns mit seinem kostenlosen Digitalpaket kurzfristig weiterhelfen.Wie lange können Sie unter den gegebenen Umständen noch durchhalten?Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, maximal drei Monate.Sind Sie als Gastronom mit dem aktuellen Corona-Kurs der Bundesregierung zufrieden?Die bisher realisierten Lösungen für unsere Branche sind in meinen Augen ein Schlag ins Gesicht. Die Lockerung der Kontaktbeschränkung hätte unbedingt auch für die Gastronomie jetzt kommen müssen. Es muss eine Eröffnung her, denn jeder neue Tag stürzt uns weiter in die Krise. Das Hauptproblem ist doch, dass wir keinen Nachholeffekt haben: Den Umsatz, den wir heute nicht machen, können wir auch nicht mehr aufholen.Andreas LübckeGeschäftsführer Old MacDonald in Hamburg, www.oldmacdonald.deHerr Lübcke, was denken Sie über den aktuellen Corona-Kurs der Bundesregierung?Da bin ich zwiegespalten, fühle mich manchmal wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Auf der einen Seite verstehe ich als Privatperson natürlich, dass der Staat die Gesundheit seiner Bürger an erster Stelle sieht. Die Zahlen geben der Bundesregierung und ihrem bisherigen Kurs ja auch Recht und ich bin heilfroh, mit meiner Familie in diesen Zeiten in Deutschland zu leben. Auf der anderen Seite bin ich Geschäftsmann und trage die Verantwortung für meine Mitarbeiter und unseren gemeinsamen Arbeitsplatz. Von dieser Warte aus sieht die Situation schon anders aus.Was kritisieren Sie konkret?Bei allem Verständnis für die Gesamtsituation: Für uns Gastronomen muss es jetzt praktikable Lösungen und Hilfen geben. Und ich spreche hier nicht nur von Steuererleichterungen oder Krediten. Es ist doch illusorisch zu glauben, dass wir in unserem Metier so viel Geld verdienen beziehungsweise vor Corona verdient haben, dass wir nach der Krise mal eben Kredite zurückzahlen könnten, welche die Kosten von mehreren Monaten decken würden. Von welchen Umsätzen sollen die Kredite denn getilgt werden? Die angezogene Handbremse aufgrund von Corona wird unser Geschäft jedenfalls noch lange Zeit beeinträchtigen, da sind Kredite der völlig falsche Ansatz.Welche Hilfen müssten für Gastronomen jetzt dringend aufgesetzt werden?Der Staat muss Mieten und Personalkosten übernehmen. Ich muss fürs Old MacDonald und die Better Burger Company jeden Monat einen hohen vierstelligen Betrag an Miete zahlen. Die stunden mir meine Vermieter zwar freundlicherweise gerade, trotzdem muss ich sie ihnen irgendwann zurückzahlen. Woher soll ich das Geld nehmen, wenn ich keinen Umsatz machen darf? Das Gleiche gilt für die Personalkosten: Die meisten Mitarbeitenden sind leider Geringverdiener und leben von Zuschlägen, Trinkgeldern usw. Da diese jedoch gerade wegfallen, ist das für sie eine Katastrophe. Hier muss der Staat jetzt deutlich mehr als die veranschlagten 60 Prozent Kurzarbeitergeld zahlen. Es ist doch so: Wenn wir uns als wichtiger Wirtschaftsteil mit 2,4 Millionen Beschäftigten zum Wohle der Gesellschaft zurückhalten, muss die Gesellschaft diesen Wirtschaftsteil im Gegenzug auch unterstützen.Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass andere Branchen gerade langsam wieder hochgefahren werden, während das Gastgewerbe immer noch darnieder liegt?Ganz klar damit, dass das Gastgewerbe immer schon schlechter behandelt wurde als andere Branchen. Viele denken auch heute noch, ach, das sind doch alles Geldwäscher. Hinzu kommt, dass wir bei weitem nicht so eine starke Lobby haben wie andere Wirtschaftsbereiche. Unsere Verbände haben einfach zu wenig Gewicht, um echten Druck auf die politischen Entscheidungsträger aufbauen zu können. Wären wir Banken, würden ganz andere Hilfsprogramme für uns aufgesetzt.Über was haben Sie sich in den vergangenen Wochen besonders geärgert?Mir stößt sauer auf, wie sich jetzt einige Versicherungen vor ihrer Verantwortung drücken wollen. Selbst Betriebe, die sich ausdrücklich gegen zum Beispiel behördlich angeordnete Betriebsschließungen versichert haben, werden unter fadenscheinigen Gründen im Regen stehen gelassen und mit lächerlichen Kulanzangeboten abgefunden. Bei diesem Verhalten der Versicherungswirtschaft stellen sich mir die Nackenhaare auf!www.gastrofix.com

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