Interview zur Anuga 2017 mit Dietmar Eiden


„Die Anuga hat viel zu bieten“

 

Besonders Halle 7 mit dem DEHOGA-Stand (oben links) und der Anuga Culinary Stage, auf der unter anderem der Wettbewerb Koch des Jahres stattfindet (unten rechts), ist für gastgewerbliche Vertreter interessant. Hier stellen auch die Großküchentechnik-Hersteller aus
 
  Dietmar Eiden, Geschäftsbereichsleiter Messemanagement Koelnmesse

Vom 7. bis 11. Oktober ist das Kölner Messegelände wieder Schauplatz der weltweit größten Fachmesse für Lebensmittel und Getränke – der Anuga. Mehr als 7.000 internationale Aussteller finden sich dann in den zehn Fachmessen zu Trendthemen zusammen. Dietmar Eiden, Geschäftsbereichsleiter im Messemanagement der Koelnmesse, gibt im Interview einen Einblick in das diesjährige Messegeschehen. Die Fragen stellte Yvonne Ludwig-Alfers.

 

Die Anuga blickt auf eine lange Geschichte zurück. Köln wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum festen Standort. Wieso entschied man sich für die Dommetropole? Wann und wie erfolgte der Schritt auf das internationale Parkett?

Zum einen stimmte die Infrastruktur. Köln verfügte bald nach dem Zweiten Weltkrieg über ein funktionierendes, gut angeschlossenes Messegelände. Außerdem war und ist Nordrhein-Westfalen ein wichtiger Standort für die Ernährungswirtschaft. Die zentrale Lage im Herzen Europas spielte damals wie heute ebenfalls eine große Rolle. Denn die Messe richtete sich von Anfang an auch an ausländische Teilnehmer. Sowohl auf Aussteller- als auch auf Besucherseite. Bereits zur ersten Anuga 1951 stellten Unternehmen aus 34 Ländern aus. Sechs Jahre später kam schon die Hälfte der etwas über 1.800 Aussteller aus dem Ausland. Auch bei den Besuchern wuchs der Auslandsanteil kontinuierlich. Ab 1975 wurde die Messe ja eine reine Fachbesuchermesse. Ab diesem Zeitpunkt konnte sich die Anuga noch konsequenter entwickeln, das heißt Internationalität und Auslandsanteil nahmen weiter zu.

 

Was erwartet Besucher zur Anuga? Wie binden Sie Gastronomen und Hoteliers hier ein?

Die Anuga war immer auch eine Messe für Gastronomen. Diese Stärke spielt die Anuga auch in diesem Jahr wieder auf breiter Basis aus. Über 4.000 Anbieter der 7.200 Aussteller geben an, dass sie Produkte für den Außer-Haus-Markt und die Gastronomie präsentieren. Damit ist die Messe eine hervorragende Sourcing-Plattform für den Außer-Haus-Markt. Das sind neben den klassischen Restaurantbetreibern und Köchen auch die Einkäufer der großen Caterer, Systemgastronomen und Hotelketten. Gemeinschaftsverpfleger gehören ebenfalls zu den Besuchern der Anuga.

 

Welche Trends in der Lebensmittel- und Getränkebranche machen Sie aus und wie reagiert die Anuga auf diese?

Die Trends sind sehr vielfältig und berücksichtigen unterschiedlichste Bedürfnisse. Um diese anschaulich auf der Messe abzubilden, haben wir verschiedene Anlaufstellen auf der Messe geschaffen. Die Anuga Trend Zone, die wir gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Innova Market Insights realisieren, präsentiert in einer Sonderschau aktuelle Ernährungs- und Produkttrends. Eine Vortragsreihe bietet weitere kompakte Trendinformationen. Das Expertenteam von Innova Market Insights steht darüber hinaus als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Sonderschau Anuga taste Innovation Show ist das Ergebnis unseres im Juni gestarteten Neuheitenwettbewerbs. Aussteller können ihre Innovationen in unser Neuheitentool eintragen. Aus allen Einträgen wählen Fachjournalisten die besten Innovationen aus, die dann auf der Messe in einer attraktiven Sonderschau auf dem Messeboulevard gezeigt werden.

Zum zweiten Mal findet darüber hinaus auf der Anuga die Innovation Food Conference – ifood 2017 – statt. Diese hochkarätige Konferenz befasst sich mit den Megatrends im Foodbusiness und diskutiert mit Fachleuten aus Lebensmitteltechnologie, Industrie und Handel zukünftige Strategien und Möglichkeiten. Zum ersten Mal auf einer Foodmesse wird des Weiteren das Thema E-Commerce im Lebensmittelhandel im Rahmen eines Kongresses thematisiert. Mit dem E-Grocery Congress@Anuga 2017 bieten wir Entscheidern aus dem Handel und aus der Industrie die Möglichkeit, digitale Strategien in ihren verschiedenen Formen und Zielrichtungen kennen zu lernen.

 

Zur diesjährigen Ausgabe wird die Anuga um den neuen Bereich Anuga Culinary Concepts ausgebaut, der Kochkunst, Technik, Ausstattung und gastronomische Konzepte bündeln soll. Was erwartet Vertreter aus dem Außer-Haus-Segment hier?

Die neue Anuga-Fachmesse Anuga Culinary Concepts in Halle 7 bietet speziell dem Außer-Haus-Markt einen lebendigen und informativen Treffpunkt. Auf der Anuga Culinary Stage finden zum einen die Finalausscheidungen von Koch des Jahres und Patissier des Jahres statt. Auch an den anderen Tagen erwartet die Besucher Neues und Inspirierendes rund um Küche und Keller. Außerdem ist in der Anuga Culinary Concepts der DEHOGA-Marktplatz Gastronomie platziert. Er ist erneut die zentrale Anlaufstelle für Gastronomen. Neben Kontakten zu Kollegen und Fachleuten vom DEHOGA Bundesverband, der den Marktplatz erneut zusammen mit dem DEHOGA Nordrhein-Westfalen organisiert, können Interessierte hier wieder am Anuga Power Breakfast teilnehmen. Moderiert von Prof. Dr. Christopher Muller (Boston University) nehmen an drei Tagen Experten aus der Branche Stellung zu Trends und Tendenzen mit Blick auf den Weltmarkt. Ebenfalls in Halle 7 ist das Anuga Wine Special zu finden. Diese Sonderschau präsentiert die Weinvielfalt der Anuga in Verbindung mit einem interessanten Seminarprogramm von Master of Wine Markus del Monego.

 

Wie kam es zu der Kooperation mit den beiden Wettbewerben Koch des Jahres und Patissier des Jahres und wie werden die Wettbewerbe von den Besuchern angenommen?

Wir arbeiten schon seit acht Jahren mit unserem spanischen Partner Groupo Caterdata zusammen, der in Spanien bereits 2006 den renommierten Wettbewerb Cocinero del Año eingeführt hat. Mit uns gemeinsam hat Caterdata die deutsche Erweiterung umgesetzt. Österreich und die Schweiz folgten 2014. Im gleichen Jahr kam auch der Patissier-Wettbewerb dazu. Beide Ausscheidungen laufen ja bereits ein Jahr vor der Anuga in diesen drei Ländern an. Die Spannung ist zur Endausscheidung auf dem Höhepunkt. Zumal die Jury auch in diesem Jahr mit Küchenchefs und Patissiers aus dem Sternehimmel besetzt sein wird. Für die Besucher ist es ein echtes Highlight, den jungen Wettbewerbsteams zuzusehen und später mit ihnen gemeinsam ihre Erfolge zu feiern. Zwei der bisherigen drei Gewinner des Wettbewerbs für Nachwuchsköche haben sich übrigens in den Folgejahren ihren ersten Michelinstern erkocht – ein Qualitätsmerkmal.

 

In diesem Jahr ist Indien das Partnerland der Anuga 2017, zeigt in diesem Rahmen seine kulinarische Vielfalt und seine Leistungsfähigkeit in der Ernährungswirtschaft. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande und welche Sonderthemen können Besucher diesbezüglich erwarten?

Die indische Beteiligung stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Und zwar von 45 Ausstellern im Jahr 2005 auf 135 indische Aussteller im Jahr 2015. Auch die Anzahl indischer Besucher hat sich gut entwickelt, von 304 indischen Fachbesucher in 2005 auf fast 1.700 in 2015. Für die indische Regierung hat die Entwicklung des Lebensmittelsektors hohe Priorität, die sie auf der Anuga deutlich unterstreichen möchte. Indien als Partnerland der weltweit größten Messe für Nahrungsmittel und Getränke kann sich hier hervorragend profilieren. Von daher dürfen wir sicherlich die ganze Produktbandbreite und auch kulinarische Highlights im Oktober in Köln erwarten.

 

Vor zwei Jahren verzeichnete die Anuga einen Ausstellerund Besucherrekord (7.000 Aussteller aus 108 Ländern / 160.000 Fachbesucher). Eine Prognose für dieses Jahr?

Wir können bereits einige Monate vor der Messe bestätigen, dass rund 7.200 Anbieter auf der Anuga ausstellen werden. Damit setzt sich die erfolgreiche Linie der letzten Jahre nahtlos fort. Im Hinblick auf die Besucher gehen wir davon aus, dass wir erneut um die 160.000 Fachbesucher haben werden. Die Anuga hat so viel zu bieten, vor allem auch Besuchern aus den gastronomischen Branchen.

 

www.anuga.de

 

Fotos: Koelmesse GmbH

 

Geschrieben am: 11.09.2017