Einkaufsgesellschaften Interview: Dr. Urban Uttenweiler (HGK)


Neu strukturiert und digital gedacht


„Gemeinsam mehr erreichen“ – die Idee ist nicht neu. Der Weg dorthin womöglich schon: Die Einkaufsgenossenschaft HGK Hotel- und Gastronomie-Kauf eG hat ihr Angebot umstrukturiert. Vorstandsvorsitzender Dr. Urban Uttenweiler spricht im Interview über Sinn und Zweck der Umstellung, über Digitalisierung und weitere Themen, die die Branche umtreiben. Von Elena Winter 

 

Information, Austausch und Unterstützung bietet die HGK auch mit der HGK-Convention, die dieses Jahr in Nürnberg stattfand

 

Herr Dr. Uttenweiler, das Förderprogramm der HGK zeichnet sich seit Kurzem durch ein modulares Angebot aus. Was war Anlass zu dieser Umstellung und was versprechen Sie sich davon?

Wir sehen uns als Problemlöser für die Hospitality- Branche und bieten ihr Leistungen zur Stärkung und Digitalisierung von Kernfunktionen. Bislang waren diese Leistungen nicht immer eingängig und plakativ genug dargestellt. Wir haben uns daher vorgenommen, unser Portfolio klar zu strukturieren und die Angebote für den Außenauftritt zu schärfen. Durch die Aufteilung in die vier thematischen Module – Einkaufsvorteile, Digitale Dienstleistungen, Einrichtungs- und Renovierungsangebote sowie Online-Gästegewinnung – bekommen Interessenten aus Gastronomie und Hotellerie unsere Leistungen nun transparenter und klar auf einen Blick. 

 

In welchen Bereichen besteht seitens Ihrer Kunden aus der Gastronomie besonderer Beratungsbedarf?

Der Bereich Digitalisierung im Einkauf ist ein großes Thema in der Gastronomie, denn durch elektronische Prozesse im Back-Office lässt sich viel Zeit und Geld sparen. Mit unseren digitalen Lösungen unterstützen wir unsere Mitglieder im Bestellwesen, im Einkaufscontrolling, im Rechnungswesen und bei den Finanzen. Außerdem wird professionelles Online-Marketing immer wichtiger. Hier gibt es noch viel Handlungsbedarf in der Branche – immer mehr Mitgliedern ist das auch bewusst. Unsere Beratungen zur Online-Gästegewinnung werden daher vermehrt in Anspruch genommen, zum Beispiel wenn es um die Eigenvermarktung über die eigene Homepage und unabhängig von Portalen geht. 

 

Wie schaffen Sie es – als Genossenschaft mit derzeit 3.500 Mitgliedern – Gastronomen noch individuell zu beraten?

Unser Team im Innendienst steht unseren Mitgliedern für Fragen und Anliegen zur Verfügung. Eine persönliche, intensive Betreuung vor Ort ist auch durch unsere Gebietsleiter gewährleistet. Noch dazu berät ein Stab von Spezialisten Gastronomen und Hoteliers gezielt und individuell zu den einzelnen Geschäftsfeldern. 

 

Welche Chancen sehen Sie in der Digitalisierung für die HGK? In welchen Bereichen nutzt die Genossenschaft die neuen Möglichkeiten bereits?

Selbstverständlich werden auch bei der HGK Prozesse, wo immer es sinnvoll ist, digital abgewickelt. So nutzen wir selbst unser Kreditorenmanagementsystem HGK-BackOffice. Ein weiteres Beispiel: Sammelabrechnungen werden nicht immer wie früher alle 14 Tage als dicke Papierberge per Post verschickt, sondern können heute in digitaler Form auch im Online-Mitgliederbereich von den Betrieben abgerufen werden. Hiermit sind alle Informationen auf Knopfdruck parat und damit schneller verfügbar. Bei HGKBackOffice geht es im Wesentlichen darum, Zeit zu sparen, um sich um die tatsächlich wertschöpfenden Dinge im Betrieb zu kümmern und durch Einkaufscontrolling die Verhandlungsposition gegenüber den Lieferpartnern zu stärken. 

 

Wie steht es mit anderen Lösungen wie HGK-Order, mit denen Gastronomen und Hoteliers ihre Bestellprozesse seit Kurzem vereinfachen können: Wie funktioniert das genau, und wie viel Aufwand und Know-how sind nötig, um bestehende Systeme sinnvoll umzustellen?

Durch die Anbindung unserer E-Procurement-Bestellplattform können Mitglieder die Vorteile unseres Managementservices HGK-Back- Office in vollem Umfang nutzen. Mit den hieraus generierten Bestelldaten lassen sich über HGK-Order neue Bestellungen bei allen angebundenen Lieferanten tätigen. So schließt sich der Kreislauf zwischen Bestellwesen, Rechnungsmanagement und Controlling. Durch die Verknüpfung zum Kreditorenmanagementsystem und damit zu allen Eingangsrechnungsdaten sieht der Gastronom oder Hotelier zum Beispiel vor der nächsten Bestellung direkt, welche Artikel er bisher wo und vor allem zu welchen Konditionen gekauft hat. Die Nutzung von HGK-Order ist zwar auch separat möglich, wirklich interessant und effizient ist das System aber durch eine Anbindung an HGK-BackOffice. Diese gelingt ohne großen Aufwand. 

 

Der Fachkräftemangel scheint ein ewiges Sorgenkind der Gastronomie zu sein. Was tut eine Einkaufsgenossenschaft wie die HGK konkret dagegen?

Wir unterstützen zum Beispiel die vom Institute of Culinary Art entwickelte und betriebene Plattform www.jobverliebt.de, einen virtuellen Marktplatz zur Personalbeschaffung, auf dem Kandidaten und Unternehmen unentgeltlich miteinander in Kontakt treten können. Darüber hinaus haben wir auf der diesjährigen HGK-Convention erstmals den Azubi-Award verliehen, den wir zusammen mit der Gerhard-Günnewig-Stiftung ins Leben gerufen haben. Hiermit machen wir uns ebenfalls für den Nachwuchs in Gastronomie und Hotellerie stark. 

 

Erklärtes Ziel der HGK ist es, inhabergeführte Betriebe dabei zu unterstützen, auch die jüngere Klientel zu erreichen. Wie schafft die HGK das im Einzelnen?

Wir bieten zum Beispiel eine Online-Vermarktungsanalyse und eine Beratung zur Online-Gästegewinnung und geben Empfehlungen, wie insbesondere auch die junge Gästeklientel angesprochen werden kann. Neu im Beratungsangebot ist das Thema Social Media. Aber auch im Hinblick auf die Umsetzung neuer Foodtrends, mit denen sich die junge Klientel identifiziert, steht HGK ihren Mitgliedern beratend zur Seite.

 

 

Zur Person

Dr. Urban Uttenweiler ist seit 2015 Vorstandsvorsitzender der HGK. Vorher war der promovierte Diplom- Kaufmann in leitender Position unter anderem beim Reifenhersteller Bridgestone, bei Otto, bei der Citti Handelsgesellschaft und bei Metro Cash & Carry Deutschland tätig.

 

 

 

Info

Die HGK zählt 3.500 Mitgliedsbetriebe aus Gastronomie und Hotellerie und arbeitet als Einkaufskooperation mit knapp 500 qualitätsgeprüften Lieferanten zusammen. Ihren Mitgliedern bietet sie Preis- und Konditionsvorteile in den Bereichen Food, Non-Food, Investitionen und Dienstleistungen.

 

Im Bild unten der Vorstand und Aufsichtsrat der HGK (von links nach rechts): Dr. Urban Uttenweiler, Krister Hennige, Ernst Fischer, Gereon Haumann, Prof. Dr. Carolin Steinhauser, Hans-Hubert Imhoff, Gerald Pütter, Stefan Wild und Hardy Voges

 

www.h-g-k.de   

 

Fotos: HGK

 

Geschrieben am: 25.09.2017